
| Bürgermeister Gunnar Koerdt bezog in seiner Neujahrsansprache eindeutige Positionen bei den Themen der Stadt. Er forderte radikales Umdenken in der Gesellschaft. |

| Heinz Köllen, Renate Thiemann und Peter Thelen nahmen aus der Hand von Bürgermeister Gunnar Koerdt die Ehrenpreise für ihr Engagement für die Menschen in der Stadt entgegen. |
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13.01.2012
Mahnende Worte beim Neujahrsempfang der Stadt Bedburg
Welche Auswirkungen die welt- und bundesweiten Themen auf Bedburg haben, machte Bürgermeister Gunnar Koerdt in seiner Neujahrsrede vor rund 450 Gästen im Rittersaal des Schlosses deutlich. In der heutigen medialen Welt würden Mutmaßungen und Gerüchte genau so schnell verbreitet wie Tatsachen und Fakten. Da würde es immer schwieriger, diese voneinander zu unterscheiden. Das sei leider in Bedburg auch nicht anders. Kritisch fragte er nach: "Was soll das? Was passiert hier eigentlich?" Sein Fazit dazu: "Welchen Schaden wir damit in unserem Gemeinwesen anrichten, ist vielen wohl überhaupt nicht bewusst." Stuttgart 21 sei ein Beispiel dafür. Selbst nach einem Volksentscheid sei dort immer noch keine Ruhe eingekehrt. Da frage man sich, warum der Volksentscheid überhaupt durchgeführt wurde.
Vor dem Hintergrund wegfallender Einnahmen durch fehlende Landeszuweisungen und geänderten Rahmenbedingungen machte der Bürgermeister deutlich, dass hier ein radikales Umdenken erfolgen müsse. Die Landesregierung habe die Kriterien erheblich verändert, zum eindeutigen Nachteil von Bedburg. "Bis zu 7,6 Mio. Euro könnte Bedburg mehr bekommen, wenn unsere Stadt aktuell die veränderten Kriterien erfüllen würde." Der Ausstieg aus der Atomenergie sei grundsätzlich richtig, aber wenn dann 5 bis 14 Mio. € im Jahr Einnahmen aus der Gewerbesteuer im städtischen Haushalt fehlen würden, müsse man ernsthaft auch einmal über Strukturhilfen für die von der Energiewende betroffenen Kommunen nachdenken.
Von der Errichtung des Windparks auf der Königshovener Höhe könne die Stadt auf Dauer partizipieren, wenn sie sich an Bau und Betrieb des Windparks finanziell beteiligen würde. Dies sei zwar auch mit einem unternehmerischen Risiko verbunden, aber die positiven Aussichten würden hier wohl eindeutig überwiegen und auf Dauer der Stadt Einnahmen sichern. Solche Investitionen dienten ja nicht dem Konsum, der morgen verfrühstückt sei, sondern sie sollen morgen Rendite tragen, machte Koerdt deutlich.
Eine andere Investition sei der Umbau des Bedburger Bahnhofes. Die endgültige Plangenehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes für den Bahnhofsumbau sei im Dezember bei der Stadt eingegangen", konnte Gunnar Koerdt mit Freude vermelden. Die Förderbescheide über 4,85 Mio. Euro erwarte man noch in diesem Monat; dann könne mit den ersten Baumaßnahmen noch im ersten Halbjahr 2012 begonnen werden.
Die Attraktivität der Stadt zu steigern sei unerlässlich. "Dafür haben wir in den vergangenen Jahren bereits wesentliche Investitionen geleistet." Es habe hier keine vollmundigen politischen Ankündigungen gegeben, sondern diese Projekte wurden auch tatsächlich umgesetzt. Er erinnere u.a. an den Neubau der Hauptschule, die Sanierung des Schulzentrums, die Schaffung eines Busbahnhofes am Schulzentrum, die Errichtung der Mensa am Schulzentrum, den Bau des Sport- und Wellnessbades Monte Mare sowie die Ansiedlung der Firma Sany. Aktuell würde weiter an der Umsetzung der städtebaulichen Rahmenpläne Bedburg und Kaster gearbeitet. Leider seien noch nicht alle Fragestellungen gelöst, deshalb werde es hier wohl zu Verzögerungen kommen. Da der Stadtrat hier einstimmige Beschlüsse gefasst habe, wird sich an den gemeinsamen Zielen sicher nichts ändern und er würde sich mit ganzer Kraft auch für deren Umsetzung einsetzen.
Für die Aussicht, dass es der Stadt Bedburg künftig besser gehen wird, müssten auf der einen Seite Investitionen gut durchdacht sein. Auf der anderen Seite gehöre aber leider auch dazu, sich von nutzungstechnisch überholten und nicht mehr finanzierbaren Dingen, gleichwohl gewohnten und liebgewonnenen Dingen zu trennen. Dabei gehe es allerdings nicht nur um Zahlen, es gehe auch um ein Stück Lebenskultur vor Ort. "Können wir uns als Kleinstadt überhaupt ein Freibad leisten? Ist es verantwortbar, jeden einzelnen Besuch im Freibad mit durchschnittlich 8,20 € zu subventionieren? "Findet das Ihre Zustimmung?", fragte er ganz direkt die Bürger.
„Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen.“ Das müsse man begreifen.
Oftmals oberflächliche Nörgelei und Besserwisserei bis hin zu persönlichen Beleidigungen, um Bestehendes zu verteidigen, sind einfach. Besser machen bei Berücksichtigung aller Konsequenzen unter ehrlicher Nennung seines eigenen Namens ist da unendlich schwerer. Aber es gebe in der Stadt auch Menschen, die nicht ihr persönliches, sondern das Allgemeinwohl in den Vordergrund stellen würden.
Für diese Menschen hat die Stadt einen Ehrenamtspreis ausgelobt. Die Preisträger 2011 sind Frau Renate Thiemann, Herr Heinz Köllen und Herr Peter Thelen. In seiner Laudatio betonte der Bürgermeister deren Engagement: Frau Thiemann engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich für die Menschen in zwei Seniorenheimen. Heinz Köllen engagiert sich seit seinem Ruhestand in zahlreichen sozialen Vereinen und Institutionen, u.a. bei der Bedburger Tafel. Peter Thelen hat in vielen 100 Arbeitsstunden in seiner Werkstatt zuhause die historischen Straßenschilder gefertigt, die seit Dezember 2010 in der Bedburger Innenstadt bestaunt werden können. "Sie haben alle nicht danach gefragt, was der Staat oder die Stadt für sie tun könne. Sie haben vielmehr überlegt, was sie für ihre Stadt und für die Menschen dort tun könnten.
Die Rede des Bürgermeisters finden Sie hier |